Fachforum psychische Gesundheit: „Kein Stress mit dem Stress - psyGA vor Ort“ - Nachbericht

Dienstag, 10. Oktober 2017 – studio dumont, Breite Str. 72, 50667 Köln

 

Das vom Gesundheitsregion KölnBonn e.V. und der pronova BKK organisierte Fachforum „Kein Stress mit dem Stress – psyGA vor Ort“ in Kooperation mit der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales richtete sich an alle Unternehmensvertreterinnen und Unternehmensvertreter sowie Führungskräfte, die mehr zu der Thematik erfahren wollen. Das Fachforum fand im Rahmen der 4. KölnBonner Woche für Seelische Gesundheit am 10. Oktober 2017 von 14:00 bis 18:00 Uhr im studio dumont in Köln statt. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis beleuchteten zentrale Aspekte und Einflussfaktoren der psychischen Gesundheit von Beschäftigten.


Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Dr. Alexia Zurkuhlen, Gesundheitsregion KölnBonn e.V. - HRCB Projekt GmbH, die Teilnehmenden. Sie erklärte, dass das Ziel der 4. KölnBonner Woche für Seelische Gesundheit sei, ein Bewusstsein für die eigene seelische Gesundheit zu schaffen und zum Abbau von Vorurteilen gegenüber psychischen Erkrankungen beizutragen. Anschließend begrüßte Thomas Windhaus, Stellvertretender Vorstand der pronova BKK, die Teilnehmenden und berichtete beispielhaft über Maßnahmen, die die pronova BKK für ihre eigenen Mitarbeitenden umsetzt, um deren psychische Gesundheit zu fördern. Dazu gehört auch ein Pilotprojekt zum mobilen Arbeiten.


Moderator Dr. Christoph Ramcke, BGF aktiv GmbH, führte die Teilnehmenden mit Daten und Fakten zur psychischen Gesundheit in die Veranstaltung und die Problematik des Themas ein und demonstrierte mit konkreten Beispielen die große Bedeutung und Präsenz psychischer Erkrankungen im Alltag und in der Arbeitswelt. So seien psychische Erkrankungen der zweithäufigste Grund für Arbeitsunfähigkeitstage, die sich seit dem Jahr 2005 förmlich verdoppelt hätten.


Plenum im studio dumont

 Lukas Loewe, VisionGesund Gesellschaft für betriebliches Gesundheitsmanagement mbH, berichtete praxisnah über die psychische Gefährdungsbeurteilung, die jedes Unternehmen seit 2013 durchführen sollte. Der studierte Sportwissenschaftler und BGM-Experte erklärte die sieben Umsetzungsschritte der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie. Die Grundlage für alle Maßnahmen sei es, Steuerungsgremien im Unternehmen zu involvieren bzw. zu etablieren und die Methoden jeweils individuell an die Betriebsstrukturen anzupassen.


Darauffolgend gab Martin Moitz, TJX Distribution Ltd. & Co. KG, einen Einblick in die praktische Umsetzung in dem Unternehmen TJX Distribution Ltd. & Co. KG, Mutterkonzern von TK Maxx. Einleitend führte er in die Unternehmensstruktur ein und stellte grundsätzliche Möglichkeiten der Gesundheitsförderung in Unternehmen dar. Insbesondere den Themen Partizipation der Mitarbeiter, Integration der betrieblichen Gesundheitsförderung in alle Unternehmensbereiche, Projektmanagement durch systematische Durchführung aller Programme sowie die Ganzheitlichkeit des Maßnahmenplans inklusive verhaltens- und verhältnisorientierten Maßnahmen müsse Beachtung geschenkt werden, so Martin Moitz.

Im Folgenden erklärte Psychologin Sarah Keimer, B·A·D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH, die Herausforderung der „gesunden Führung“. Die Anforderungen in der Arbeitswelt seien in einem stetigen Wandel und die Belastungen würden sich entsprechend ändern. Führungskräfte befänden sich in einem Spannungsfeld zwischen gesunder Selbstführung und Vorbildfunktion. Die Wichtigkeit der eigenen Gesundheit der Führungskräfte könne anhand des Beispiels verdeutlicht werden, dass Fluggäste im Fall eines Notfalls zunächst sich selbst die Atemmaske aufziehen und erst anschließend anderen helfen sollten.

Im Anschluss folgte eine rege Podiumsdiskussion mit den Referenten der ersten drei Vorträge sowie Ann-Kristin Rink als Referentin des Abschlussvortrages. Während der Veranstaltung hatten die Teilnehmenden bereits die Möglichkeit Fragen zu stellen, die in der Podiumsdiskussion beantwortet wurden.

So wurde beispielsweise gefragt, wie eine nachhaltige Wirksamkeitsprüfung am besten umgesetzt werden kann. Lukas Loewe empfahl hier, bei der Nutzung eines Fragebogens ein Vorher-Nachher-Design zu verwenden, um die Wirksamkeit der eingesetzten Maßnahmen überprüfen zu können. Sarah Keimer ging darauf ein, möglichst bereits vorliegende, standardisierte Fragebögen zu nutzen und diese gegebenenfalls individuell anzupassen. Wichtig sei es jedoch, alle relevanten Merkmalsbereiche abzufragen.
Um eine nachhaltige Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz zu gewährleisten, sollten der Geschäftsführung zielorientierte Optionen aufgezeigt und die gewählten Maßnahmen von ihr verfolgt und unterstützt werden, so Martin Moitz. Ann-Kristin Rink ergänzte, dass insbesondere auf eine zielgruppenorientierte Kommunikation geachtet werden müsse.
Abschließend diskutierten die Podiumsgäste über die Vor- und Nachteile von und eigene Erfahrungen mit Arbeiten im Home Office und kamen zu dem Ergebnis, dass dies je nach Unternehmensstruktur, persönlichen Voraussetzungen und Vorlieben der Mitarbeitenden entschieden und entsprechend angepasst werden müsse.




v.l.n.r. Martin Moitz, Sarah Keimer, Dr. Christoph Ramcke, Ann-Kristin Rink, Lukas Loewe

Den Abschluss der Veranstaltung machte Ann-Kristin Rink, psyGA-Team, die den Teilnehmenden einen Einblick in das Projekt „psyGA“ gewährte. psyGA ist ein Angebot der „Initiative neue Qualität der Arbeit“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Das Projekt sehe seine Aufgabe darin, Angebote für Führungskräfte, Beschäftigte und andere betriebliche Akteure bereitzustellen, um die „neuen Arbeitsbedingungen“ gesund zu gestalten und darin gesund zu arbeiten. Das vorhandene Know-how zum Thema Gesundheitsförderung wird dabei mithilfe erfahrener Kooperationspartner vorangetrieben und für die verschiedenen Bereiche der Arbeitswelt aufbereitet. Entwickelt werden hierzu Maßnahmen, um Entscheidungsträger und wichtige Multiplikatoren für das Thema zu sensibilisieren.


Beim anschließenden get together nutzen die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich untereinander und mit den Referentinnen und Referenten über das neuerfahrene Wissen auszutauschen und von ihren eigenen Erfahrungen zu berichten.


Die pronova BKK und der Gesundheitsregion KölnBonn e.V. danken allen Referentinnen und Referenten sowie psyGA für die Unterstützung des Fachforums „Kein Stress mit dem Stress – psyGA vor Ort“.


Bericht: Judith Brehm, Gesundheitsregion KölnBonn e.V.