Rückblick – Konferenz MobileConnectedHealth.NRW am 11. Juli 2018

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Konferenz MobileConnectedHealth.NRW:
mobil digital vernetzt – Patienten und innovative Medizin 

 

 

„Mobil und vernetzt“ – so wird immer häufiger die Gesundheitsversorgung der Zukunft dargestellt. Wie können die einzelnen Patienten und ihr persönliches Umfeld als kompetenter Partner von Medizin und Pflege stärker einbezogen werden? Auf welche Weise kann eine Einbindung von MobileConnectedHealth in Ausbildung und Studium der Health Professionals erfolgen? Und wie können die vielfach als innovationsfeindlich beklagten starren Sektorengrenzen überwunden und Barrieren beim Transfer digitaler Gesundheitsinnovationen beseitigt werden? Darüber diskutierten knapp 100 Teilnehmer auf Einladung des Clusters InnovativeMedizin.NRW bei der Konferenz MobileConnectedHealth.NRW in Düsseldorf.

In seinem Grußwort an die Konferenzteilnehmer thematisierte Thorsten Menne, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, das enorme Potenzial der Digitalisierung in der Medizin. Grundlegende Veränderungen in Forschung und Gesundheitsversorgung sowie in der Frage, wie mit Krankheit und Gesundheit umgegangen wird, führten zu einer Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung und des Wohlergehens der Patienten sowie ihrer Angehörigen. Menne betonte, dass Nordrhein-Westfalen dieses wichtige Zukunftsfeld unterstütze und eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation in dem Bereich verfolge.

 

Prof. Dr. Wolfgang Goetzke, Cluster InnovativeMedizin.NRW, griff die Themenfokussierung der Landesregierung in seiner Begrüßung auf und betonte die Potenziale für die Region. Die gesellschaftlichen Implikationen der zu erwartenden Veränderungen in der Medizin sollten in den Blick genommen und der Patient in seinem gesamten Umfeld betrachtet werden. Zukünftig werde der „point of need“, das Zuhause, noch stärker in den Fokus rücken.

Der demographische Wandel als große gesellschaftliche Herausforderung habe auch einen großen Einfluss auf die Gesundheit. Digitalisierung sei zum einen eine Lösung, zum anderen aber auch eine Herausforderung, betonte Prof. Dr. Daniel Buhr, Steinbeis Transferzentrum Soziale und Technische Innovation, in seiner Keynote. Der Dreiklang aus Vernetzung, Automatisierung und Dezentralisierung werde den entscheidenden Unterschied machen. Dabei müsse der Einzelne partizipieren und ermächtigt werden, um Akzeptanz für und Vertrauen in Prozesse und Innovationen zu schaffen. Der „Quadruple Helix“-Ansatz sollte verfolgt werden: Ziel müsse eine Partnerschaft von Wissenschaft und Wirtschaft, Politik und Verwaltung sowie der Zivilgesellschaft sein. Erforderlich sei es, innovative Lösungsansätze interdisziplinär zu entwickeln. Verschiedene Ministerien sollten gemeinsam Cluster und Projekte fördern und begleiten. Nun gelte es, die Forderungen des Whitepapers mit Leben zu füllen, die Bürger als Innovationstreiber zu verstehen und deren Potenziale zu nutzen.

Unter der Überschrift „Versorgung am ‚point of need‘ – am Unfallort, im Alltag und zu Hause“ wurden anschließend, moderiert von Dr. Alexia Zurkuhlen, Cluster InnovativeMedizin.NRW, drei innovative Ansätze der modernen Versorgung vorgestellt.

Oliver Maaßen, Uniklinik RWTH Aachen, präsentierte die Nutzung von MobileConnectedHealth in der sektorenübergreifenden regionalen Versorgung in NRW am Beispiel von TELnet@NRW. Ziel des Projektes sei es, die intensivmedizinische und infektiologische Behandlungsqualität in der Arztpraxis und im Krankenhaus mittels digitaler Anwendungen weiter zu verbessern.

PD Dr. med. René Andrié, Herzzentrum Helios Klinikum Siegburg, führte in die Überwachungsmöglichkeiten der Herzfrequenz nach der Klinikentlassung ein. Durch das Tragen einer „Life Vest“ könne der Patient, solange er bei Bewusstsein sei, die Therapie zurückhalten und seine eigene Behandlung auf diese Weise überwachen.  Wenn ein lebensbedrohlicher Herzrhythmus erkannt wurde, gebe das Gerät einen Behandlungsschock ab, um den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen.

Mit dem TeLiPro stellte Janine Berger, DITG GmbH Deutsches Institut für Telemedizin und Gesundheitsförderung, einen ganzheitlichen Begleiter für Diabetes-Patienten vor, der die notwendige Lebensveränderung unterstütze. Sie betonte, dass der fragmentierte Gesundheitsmarkt ein großes Problem für eine übergreifende Patientenversorgung darstelle – es gebe viele gute Lösungen, die aber nicht miteinander vernetzt seien.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Frederic Seebohm, Vorsorgeanwalt, und Prof. Dr. Michael Wendt, Universitätsmedizin Greifswald, wurde die Lücke zwischen den vielen einzelnen Lösungen thematisiert. Patientendaten seien zwar in großer Zahl verfügbar, diese würden aber nicht zusammengeführt und ausgewertet. Ärzte müssten unterstützt und ausreichend informiert werden, damit sie die Ausweitung von Telemedizin nicht als Existenzbedrohung, sondern als Chancen wahrnähmen. Auch müssten die Mediziner ihren Patienten den Mehrwert von MobileConnectedHealth aufzeigen. Telemedizin sollte aus der Akutmedizin herausgetragen werden und bei jedem Einzelnen in der Häuslichkeit ankommen – gesteuert vom Betroffenen selbst.

Dr. Andreas Nagel, Cluster InnovativeMedizin.NRW führte in den nächsten Themenschwerpunkt, Möglichkeiten und Hemmnisse für die Nutzung von MobileConnectedHealth in Klinik und Praxis“, ein.

Axel Meineke, Cerner Health Services Deutschland GmbH, bot einen Einstieg in das „Population Health Management“ und stellte in seinem Vortrag „value-based care“ in den Vordergrund. Er betonte, dass nutzbare Datenstrukturen für die Entwicklung von innovativen Lösungen für das Gesundheitswesen von elementarer Bedeutung seien. Der Einsatz mobiler Geräte sei hier von Vorteil.

Harald Reiter, Philips Medizin Systeme Böblingen GmbH, schilderte die Herausforderungen beim Aufbau eines digitalen Ecosystems, um den Patienten als kompetenten Partner zu stärken und ihn entlang einer Kette von Gesundheitsleistungen zu unterstützen. Viele Möglichkeiten zur Verbesserung der Versorgung durch mobile und vernetzte Technologien seien verfügbar – es sei keine Frage, ob, sondern nur wann die Hemmnisse überwunden werden.

Das Thema „Aus-und Weiterbildung“ wurde durch Tino Philippi, GE Healthcare, in den Fokus gerückt: Es reiche nicht aus, Geräte und Lösungen zur Verfügung zu stellen, vielmehr müssten die Anwender im Umgang geschult werden. Die Schulung sollte entsprechend gefördert und bereits im Rahmen des Studiums oder der Ausbildung durchgeführt werden.

Dass die Patientenreise heute keine Reise, sondern eher eine Art Hürdenlauf sei, veranschaulichte Carsten Fehlen, CGM Clinical Deutschland GmbH, in seinem Vortrag. Dazu demonstrierte er die verschiedenen Bausteine, die für ein erfolgreiches Entlass-Management, das bereits in der Arztpraxis und im Alltag des Patienten beginne, erforderlich seien. Voraussetzungen seien die Telematik-Infrastruktur, sichere persönliche Gesundheitsakten sowie die (Prozess-) Integration in die Informationssysteme der Gesundheitsdienste-Anbieter.

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahm zusätzlich noch Christoph J. Rupprecht, AOK Rheinland/Hamburg, teil. Diskutiert wurden der Erfolg und die Diffusion nützlicher digitaler Anwendungen in Deutschland sowie die Frage, was zu tun sei, damit Deutschland im internationalen Vergleich nicht abgehängt werde. Die Experten forderten insbesondere, den Patientennutzen durch MobileConnectedHealth in den Vordergrund zu stellen. Die Politik müsse endlich agieren, bevor Unternehmen wie Apple oder Google ihnen zuvorkämen. Software-Lösungen müssten in bestehende Systeme integriert und Ressourcen geschaffen werden, um den zeitweisen Mehraufwand zu finanzieren. Viele Regularien hemmten die Umsetzung von Innovationen und den entsprechenden Markterfolg. Hier gebe es allerdings derzeit einen Wandel, da der Patient zunehmend als Kunde gesehen werde, den man bereits vor einem Klinikaufenthalt begeistern wolle.

Mit der Vorstellung des Whitepapers „MobileConnectedHealth.NRW: mobil digital vernetzt – Patienten und innovative Medizin“ durch Dr. Alexia Zurkuhlen, das in fünf Handlungsfeldern Vorschläge für die Implementierung einer Landesinitiative „MobileConnectedHealth.NRW“ enthält, begann der letzte Programmteil der Konferenz, der sich der Frage „Medizinische Versorgung in NRW 2030 – besser mobil und vernetzt?!“ widmete.

cluster 915 von 1056Die Podiumsdiskussion unter Moderation von Prof. Dr. Bernhard Koch, Deutsches Zentrum für Luft-und Raumfahrt e.V., thematisierte unter reger Beteiligung des Auditoriums die dafür notwendigen Veränderungen. Dr. Ursula Kriesten, Akademie Gesundheitswirtschaft und Senioren, Heiner Vogelsang, Techniker Krankenkasse, Dr. Klaus Weber, Janssen-Cilag GmbH sowie Prof. Dr. Jochen A. Werner, Universitätsklinikum Essen, diskutierten gemeinsam den Paradigmenwechsel in der gesundheitlichen Versorgung. Eine zentrale Forderung war, die Patienten, Angehörigen, aber auch die Mitarbeiter in Krankenhaus oder Praxis weiter in den Mittelpunkt zu rücken. Die Patientenbedürfnisse müssten akzeptiert und fokussiert werden, da zukünftig der Patient stärker über seine Behandlung entscheiden werde.

80% aller Pflegebedarfe seien ein Thema der Häuslichkeit – der Wandel in der gesundheitlichen Versorgung müsse also zu Hause beginnen. Technisch sei fast alles machbar, aber die Dienstleistungsseite werde bisher zu wenig beachtet. Daher sei es auch so wichtig, alle Disziplinen an einen Tisch zu holen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Auch die Experten dieser Podiumsdiskussion forderten, das Thema Digitalisierung bereits in die Ausbildung der Gesundheitsberufe zu integrieren.

Allen Beteiligten gemeinsam war die Vision, zukünftig disziplinübergreifend und partnerschaftlich, aber auch transparent und kritisch an der Entwicklung eines digitalen Gesundheitswesens, bei dem der Mensch im Mittelpunkt stehe, zu arbeiten.

In seinem Schlusswort betonte Prof. Dr. Wolfgang Goetzke, dass er während des gesamten Konferenztages nicht nur eine gemeinsame Wertbasis, sondern auch einen gemeinsamen Willen gespürt habe. Auch sei er dankbar, eine solche Diversität der Teilnehmer vorzufinden. Die Selbstverantwortung der Menschen sei gefragt und der Handlungsbedarf müsse stärker von der Politik aufgegriffen werden. Das, was umsetzbar sei, müsse nun angegangen werden.

 

Zum Whitepaper
Die Veranstaltung bildete den Startpunkt für die Veröffentlichung eines Strategiepapiers, das der Cluster in Zusammenarbeit mit Experten erarbeitet hat. Darin werden themenspezifische Trends, Herausforderungen und Kompetenzen in NRW aufgegriffen. Das Whitepaper MobileConnectedHealth.NRW enthält Handlungsempfehlungen für eine künftige Ausrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen und ist ein wichtiger Meilenstein, um eine Landesinitiative MobileConnectedHealth.NRW aufzubauen und weiterzuentwickeln. Das Whitepaper finden Sie hier.

 

Zum Veranstalter
Der Cluster InnovativeMedizin.NRW unterstützt im Auftrag der nordrhein-westfälischen
Landesregierung NRW-Akteure bei der Entwicklung zukunftsweisender Produkte und Verfahren in der Medizin. Ziel ist es, ein günstiges Umfeld für Innovationen zu schaffen und das Land als Kompetenzzentrum zur Bewältigung der globalen gesellschaftlichen Herausforderungen zu etablieren. Die HRCB Projekt GmbH als Mitgesellschafter des Clusters InnovativeMedizin.NRW ist federführend zuständig für den Leuchtturm MobileConnectedHealth.NRW.