Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Zukunftskongress Gesundheitswirtschaft

Auszüge aus der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Zukunftskongress Gesundheitswirtschaft des     Bundegesundheitsministeriums  

Do, 29.04.2010 "Wir setzen in der christlich-liberalen Koalition auf Forschung und Innovation. Das zeigt sich auch im Bereich der Gesundheitswirtschaft. Der Anteil der Gesundheitswirtschaft am Bruttoinlandsprodukt wird nach unseren Prognosen von zehn Prozent im Jahr 2005 auf fast 13 Prozent im Jahr 2020 wachsen. Die Zahl der Beschäftigten ist hier schon genannt worden: Heute sind es fünf Millionen Menschen. Die Zahl könnte auf sieben Millionen anwachsen. Das heißt, hier gibt es ein großes Beschäftigungspotential mit qualifizierter Arbeit. Das ist eine Arbeit mit Menschen, die sehr viel Spaß machen kann, wie etwa die Arbeit mit Technik im pharmazeutischen oder medizinisch-technischen Bereich.

 

In der Exportstärke der Branche liegen ebenfalls gewaltige Wachstumspotentiale. Die OECD geht davon aus, dass sich der weltweite Umsatz mit Produkten und Dienstleistungen der Gesundheitswirtschaft bis zum Jahr 2015 auf sieben Billionen US-Dollar erhöht. Innerhalb von 15 Jahren ist das mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zum Jahr 2000. Da wäre es doch gelacht, wenn Deutschland sich an diesen großen Zukunftschancen nicht sehr selbstbewusst einen Anteil erwirtschaften würde. Wir haben in Deutschland die entsprechenden Unternehmen.

Deutsche medizinische Produkte, Pharmazeutika, Medizintechnik und Krankenhausdienstleistungen sind weltweit ein anerkanntes Markenzeichen. Ich will noch einmal unterstreichen, dass gerade die Logistik des Betreibens von Krankenhäusern und komplexen medizinischen Institutionen so etwas wie ein Markenzeichen ist. Ich erlebe das immer wieder bei meinen Besuchen überall in der Welt. Am liebsten baut man nicht nur ein Krankenhaus, sondern man lässt sich gleich die gesamte Logistik hinstellen. Dann versucht man, uns das nachzumachen, was man vielleicht selber bei der medizinischen Versorgung in Deutschland erlebt hat.

Deutsche Medizintechnik ist international überaus erfolgreich. Auf dem Weltmarkt für Medizintechnik haben deutsche Unternehmen eine Exportquote von fast 65 Prozent. Das ist nach den Vereinigten Staaten von Amerika der zweite Rang. Natürlich wollen wir immer wieder deutsche Unternehmen politisch unterstützen und Zukunftstrends aufgreifen. Deshalb werden wir unsere Außenwirtschaftsaktivitäten stärker thematisch bündeln. So wird beispielsweise der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie einen Rahmenplan für die Außenwirtschaftsförderung im Bereich der Gesundheitswirtschaft entwickeln, um genau das, was der Minister schon angesprochen hat, besser miteinander zu verzahnen. Wir wissen, dass gerade Reisen im Zusammenhang mit dem Verkauf unserer Wirtschaftserzeugnisse sehr, sehr erfolgreich sind – egal, ob der Wirtschaftsminister, der Außenminister, die Bundeskanzlerin oder andere sie unternehmen. Die Vernetzung von politischen und freundschaftlichen Kontakten mit wirtschaftlichen Investitionen hat unserer Exportwirtschaft zu allen Zeiten gut getan.

Die Gesundheitswirtschaft hat trotz der Wirtschaftskrise ihre stabilitätswahrende Ausstrahlung nicht nur bewahrt, sondern war sicherlich einer der Leuchttürme in dieser Krise. Man kann sagen, dass sich die gesamte Branche wirklich gut behauptet hat.

Wir wissen, dass in diesen Bereichen die Forschungsausgaben oder die Forschungsinvestitionen in einem besonderen Maße wichtig sind. Sie betragen etwa zehn Prozent und sind damit doppelt so hoch wie im Durchschnitt der anderen Branchen. Neben wenigen Branchen in der deutschen Wirtschaft ist gerade die Gesundheitswirtschaft also eine, die absolut forschungsintensiv ist.

Wir sind dabei gut aufgestellt. Wir haben bei unseren Schwerpunkten für die Arbeit in dieser Legislaturperiode das Thema Bildung und Forschung ganz oben auf die Agenda gesetzt. Wir wollen bis zum Jahr 2015 erreichen, dass wir zehn Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Bildung ausgeben. Im Forschungsbereich haben wir, was den Bundesteil anbelangt, das Drei-Prozent-Ziel schon sehr gut erreicht. Hier ist die Branche der Gesundheitswirtschaft natürlich einer unserer wichtigen Partner, weil sie ihren Beitrag mit zehn Prozent mehr als übererfüllt.

Wir werden in dieser Legislaturperiode 12 Milliarden Euro mehr allein für Bildung und Forschung bereitstellen. Das ist ein substanzieller Beitrag des Bundes zur Erreichung unserer gemeinsamen Zielsetzung, die auf Bund, Länder und Private verteilt ist. Aber Geld ist natürlich nicht alleine das, was wir brauchen, sondern wir müssen das Ganze auch vernünftig strategisch anlegen. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Hightech-Strategie weiterentwickeln und sie stärker auf die großen Herausforderungen der Zukunft ausrichten. Deshalb ist die Gesundheitswirtschaft in dieser Hightech-Strategie einer der zukünftigen Schwerpunkte. Wir wollen das in vielen Bereichen einmalige und führende Potential unseres Forschungsstandorts in diesem Bereich stärken.

Wir schauen natürlich auch, dass es immer wieder interessante Netzwerke im Bereich der Spitzencluster aus dem Medizinbereich gibt. Wir haben in der letzten Runde des Spitzencluster-Wettbewerbs unter anderem neben einem Biotech-Cluster auch ein Medizintechnik-Cluster, nämlich das Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg, als Gewinner. Ich weiß nicht, wie das in Nürnberg mit dem Valley ist. Wenn ich dort vorbeifahre, gibt es in einiger Entfernung ein paar Berge. Sei es drum, wir wünschen der Metropolregion Nürnberg jedenfalls viel Erfolg.

Es zeigt sich an dieser Stelle, dass das Denken in Clustern in Zukunft sehr, sehr wichtig sein wird. Als ich kürzlich in einem wirklichen Valley, nämlich dem Silicon Valley, war – dem Besuch hat sich eine etwas beschwerliche Rückreise angeschlossen –, konnte ich mich davon überzeugen, dass der Schlüssel zum Erfolg im Grunde die Vernetzung von Hochschulstandorten, Forschungseinrichtungen und großen und sehr innovativen kleinen Unternehmen ist. Dazu muss eine gehörige Finanzierung kommen. Hier haben wir sicherlich noch zu tun. Das Venture Capital ist noch nicht so eingeübt, wie das in den Vereinigten Staaten von Amerika der Fall ist. Dazu gehört auch die Denkweise, dass man einmal eine zweite Chance benötigt.

Einer unserer großen Nachteile in Deutschland ist nach wie vor, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass man, wenn man ein Risiko übernimmt und einmal fehlgeht und nicht erfolgreich ist, trotzdem den Mut hat, wieder anzufangen. Das muss in unseren Clustern noch eingeübt und gelebt werden. Ich glaube, darauf sollten wir setzen. Gerade der sehr innovative und flexible Gesundheitsbereich könnte dafür ein sehr guter Bereich sein.

Wir haben Netzwerkbildung nicht nur, was die Forschung und Entwicklung sowie die Produktion anbelangt, sondern auch im Bereich der Krankheitsbehandlung. Ich denke dabei zum Beispiel an degenerative Demenzen, Diabetes und vieles andere. Wir wissen aber auch, dass wir Initiativen wie integrierte Forschungs- und Behandlungszentren oder den Wettbewerb "Gesundheitsregionen" durchaus sehr selbstbewusst weiterentwickeln, um unser Augenmerk auf bestimmte Schwerpunkte zu lenken: die Steigerung der Potentiale der individualisierten Medizin, die Stärkung der Prävention, die Sicherung der Patientenversorgung und die weitere Bekämpfung von Volkskrankheiten. Ich glaube, dass die Volkskrankheiten eine der ganz großen Herausforderungen einer hochentwickelten Industriegesellschaft sind. Deshalb geht es hier auch um strategische und strukturelle Weiterentwicklungen der deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, die in diesem Zusammenhang eine große Rolle spielen. ..."

http://www.exzellenz.nrw.de/nocl/noth/nc/clusterinfo/news/view/data/17005/backpid/1/

 
September 2010
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 1 2 3