Experten-Workshop - "Wer kümmert sich um die Alten? Berufsfelder in der Gesundheitswirtschaft"

Am 26. Januar 2011 versammelten sich zahlreiche Experten aus der Gesundheitswirtschaft der Region KölnBonn in der Bank für Sozialwirtschaft zu einem Workshop über das Thema „Wer kümmert sich um die Alten? – Berufsfelder in der Gesundheitswirtschaft“.

     

                                   Landrat Werner Stump                                                                                     Plenum

Als Gastgeber begrüßte Herr Norbert Küsgen, Direktor der Geschäftsstelle Köln der Bank für Sozialwirtschaft AG und Mitglied des Erweiterten Vorstandes des Gesundheitsregion KölnBonn e.V., die Teilnehmer und erläuterte Kompetenzen und Arbeitsbereiche der Bank für Sozialwirtschaft in dem behandelten Themenkomplex.

Als Repräsentant des Rhein-Erft-Kreises und erster Vorsitzender des Generationen Akademie Rheinland e.V. (GAR) begrüßte auch Herr Landrat Werner Stump die anwesenden Teilnehmer. Er zeigte sich erfreut über die rege Beteiligung sowie das damit gezeigte Interesse der Experten an der Thematik. Ziel des im Rahmen der Regionale 2010 entstandenen GAR e.V. bestehe darin, die Generation 50plus als eigene soziale Leistungssphäre zu erkennen, ein umfassendes Bildungsangebot für diese Zielgruppe zu entwickeln und damit auch dem drohenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Herr Landrat Stump verdeutlichte die in diesem Zusammenhang große Bedeutung, die die Bewältigung der Herausforderungen der demographischen Entwicklungen gerade für die Kommunen und Landkreise habe und forderte gerade auf diesem Feld neue Formen des Miteinanders und der Gesellschaft.

Herr Professor Goetzke, erster Vorsitzender des Gesundheitsregion KölnBonn e.V. und Mitglied des Vorstandes des GAR e.V., führte mit seinem Vortrag in das das Thema des Tages ein. Seine Darstellung der Entwicklung der Demographie und der sich daraus ergebenden Herausforderungen verdeutlichten die Brisanz des Themas.  Je älter die Bevölkerung wird, umso mehr altersassoziierte Bedarfe entstehen. Gleichzeitig stagniert jedoch der Nachwuchs, v.a. im Bereich der Pflege. Man muss sich daher jetzt ernsthaft der Frage stellen, wo Beschäftigungsreserven zu finden sind. Möglichkeiten sieht Professor Goetzke bei minderqualifizierten jungen Menschen, die man fördern müsse, und älteren, aus der Beschäftigung ausgeschiedenen Menschen, die durchaus noch fit sind und sich weiterhin einer sinnstiftenden Aufgabe widmen können und wollen.


  

                        Professor Dr. Wolfgang Goetzke, HRCB                                                           Rainer Overmann, GAR


Herr Rainer Overmann, Geschäftsführer des Generationen Akademie Rheinland e.V., legte den Fokus seiner Darstellung auf das Studium 50plus zum "Generationen Manager Gesundheit" als neues berufsfeldorientiertes Bildungsangebot der G-A-R. Das Bildungsangebot der Akademie sei wissenschaftlich fundiert, praxisorientiert und zielgruppenspezifisch aufgebaut. Peter Paul Hansch, selbst Student dieses Studiengangs, unterstützte Herrn Overmann in seinen Ausführungen und hob vor allem die soziale Kompetenz hervor, die für die Ausübung des Berufs wichtig ist. Er meinte, dass Personen seines Alters möglicherweise einen besseren Zugang zu der Generation der zu Pflegenden haben. Absolventen dieses Studiengangs können sowohl als freiberufliche Berater, in Einrichtungen der Wohlfahrts- und Altenpflege als auch ehrenamtlich tätig werden.

Ellen Wappenschmidt-Krommus, Caritas Betriebs- und Trägergesellschaft mbH, plädierte in ihrem Vortrag dafür, den Pflegeberuf in seiner Ganzheitlichkeit und Breite, die sich in Organisation, Kommunikation und sozialer Arbeit manifestieren, anzuerkennen und dessen Wert zu schätzen. Der Bereich der Pflege ist mittlerweile stark von Regularien bedrängt und behindert. Auch die einzuhaltende Fachkräftequote sei überprüfungsbedürftig und könne kontraproduktiv wirken. Haupt- und Ehrenamt sollten verzahnt arbeiten. Soziale Kompetenz und Führungsvermögen seien von enormer Bedeutung. Empathie zwischen Pfleger und zu Pflegendem müsse vorhanden sein, wobei aktive Beziehungsarbeit von großer Bedeutung sei. Pflege sollte als Dienstleistung gesehen werden, die eine qualifizierte Ausbildung sowie hohe soziale Kompetenz voraussetzen. Der Wunsch der Kunden solle bestimmen, was benötigt wird.

   

                      Ellen Wappenschmidt-Krommus, CBT                                                    Rüdiger Schüller, pronovaBKK

Rüdiger Schüller, pronovaBKK, erläuterte die derzeitige Situation aus Sicht einer gesetzlichen Krankenkasse. In vielen Unternehmen und Organisationen, so auch in der pronovaBKK, ist bereits heute die Hälfte aller Mitarbeiter über 50 Jahre alt. Anhand statistischer Grafiken zeigte er, dass ältere Arbeitnehmer zwar weniger oft krank werden, wenn sie aber krank sind, meist über einen längeren Zeitraum ausfallen. Er begründete dies einerseits mit einer besseren Einschätzung der eigenen Fähigkeiten aufgrund von Erfahrung (weniger Unfälle aufgrund von Leichtsinn) sowie andererseits mit altersbedingten, oft chronischen Erkrankungen. Daher setzt die pronovaBKK auf Prävention und fördert Betriebliches Gesundheitsmanagement. Bewegung, Sport und eine ausgewogene Ernährung sind für ein langes, gesundes Leben unerlässlich. Außerdem führte Herr Schüller aus, dass kein Erkenntnis-, dafür aber ein Umsetzungsproblem vorliege. Nahezu jeder weiß, dass durch die demographischen Entwicklungen in Zukunft mit neuen Gegebenheiten und Herausforderungen gerechnet  werden muss. Der direkte Schmerz ist aber noch nicht da und so haben auch nur die wenigsten Unternehmen bereits jetzt einen Demographieplan.

Die anschließende Diskussion unter der Moderation von Herrn Professor Dr. Wolfgang Goetzke zeigte diverse bürokratische Hemmnisse auf: nicht nur die spärliche Vergütung, sondern vor allem die mangelnde Wertschätzung des Pflegeberufs sind hinderliche Faktoren für das Ansehen dieser Berufung. Es darf nicht nur die Pflege, sondern es müsse das damit verbundene gesamte Spektrum gesehen werden. Vor diesem Hintergrund wurde die Ausbildung und Stärkung der sozialen Kompetenzen als Aufgabe der Bildungseinrichtungen formuliert.

Allgemeines Anliegen ist es, ältere Menschen so lange wie möglich selbstständig in ihrer gewohnten Umgebung zu belassen. Es ist eine präventive Orientierung anzustreben, um stationäre Aufenthalte zu vermindern. Eine Idee wäre es, die Kommunen als Einstellungsträger für den Altenbereich zu aktivieren.


    

    links: Podium: Rainer Overmann, Ellen Wappenschmidt-Krommus, Rüdiger Schüller und Moderator, Professor Dr. Wolfgang Goetzke

    rechts: Plenum

Immer wieder wurde die Finanzierungsproblematik in die Diskussion eingebracht. In NRW behindere die Finanzierungssystematik die Einstellung von Auszubildenden, da sich diese Kosten unmittelbar auf die einzufordernden Pflegesätze auswirken und somit zu Wettbewerbsnachteilen führen. Vor diesem Hintergrund wurde die Forderung nach einem neuen Finanzierungssystem (Ländersache) bzw. der Rückgewinnung der ehemaligen Umlagefinanzierung gestellt. Professor Goetzke schlägt vor, die Verständigungs-Chancen der vernetzten Gesundheitsregion KölnBonn zu nutzen und in den Dialog mit Kostenträgern zu gehen, um vorurteilsfrei miteinander zu kommunizieren, einander besser zu verstehen, und aufeinander zu zugehen.

Arbeitszeitmodelle und Anforderungen an Arbeitsplätze müssen stärker auf ältere Arbeitnehmer ausgerichtet und dahingehend angepasst werden. Der Generationen Akademie Rheinland e.V. muss neue Kompetenzprofile generieren und arbeitsmarkttaugliche Fachkräfte mit besonderer Verantwortungs- und Kommunikationskompetenz ausbilden.

Auf Grundlage dieser ersten Diskussionsergebnisse möchte der GAR e.V. schon bald einen zweiten Workshop zur Vertiefung organisieren.

 

 
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