2. Kamingespräch des Gesundheitsregion KölnBonn e.V.

In einer hochkarätig besetzten Veranstaltung hat sich die Mitgliedschaft des Gesundheitsregion KölnBonn e.V. am 17. März 2011 mit mehr als 100 Experten zum zweiten Kamingespräch des Branchenvereins in den neuen Räumen des Biomedizinischen Zentrums des Bonner Universitätsklinikums getroffen.

 

Als Gastgeber des Abends begrüßte Professor Dr. Thomas Klockgether, Dekan der Medizinischen Fakultät des Universitätsklinikums Bonn, die Teilnehmer und übergab nach einer kurzen Präsentation des Bonner Universitätsklinikums das Wort an die Key-Note-Sprecherin des Abends, Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen. Zur Frage „Wie viel medizinische Innovation können wir uns künftig noch leisten?“ referierend, setzte sie sich eingangs mit dem Begriff der Innovation auseinander und betonte, dass Innovation keineswegs gleichbedeutend mit einer High Technology sei. Auch scheinbar kleine Verbesserungen wie die Steigerung der Menschlichkeit in der medizinischen Versorgung beinhalten ihrer Einschätzung nach wichtige Innovationsschritte.

Die Ministerin mahnte an, die Herausforderungen eines altersfesten Gesundheitssystems ernst zu nehmen und den Patienten als Mensch in den Mittelpunkt der nutzerorientierten Ausrichtung zu stellen. Dabei müsse das System genauestens auf Einsparpotentiale und Effizienzreserven untersucht werden, damit dadurch frei werdende Ressourcen für eine bedarfsorientierte und bedarfsgerechte Versorgung eingesetzt werden können. Nicht nur in Versorgung und Therapie, auch im Hinblick auf die Finanzierung sei eine ganzheitliche sektorenübergreifende Denkweise erforderlich. Vor diesem Hintergrund sei es von großer Bedeutung, einen Blick für die jeweils andere Seite zu haben, miteinander in den Dialog zu gehen und voneinander zu lernen. Nicht nebeneinander, sondern miteinander agieren - das könne uns an die Spitze führen! Die Ministerin räumte in diesem Zusammenhang der Arbeit der sechs Gesundheitsregionen des Landes große Bedeutung für die Fortentwicklung der Gesundheitswirtschaft des Landes ein.
 

Unter der Moderation von Professor Dr. Wolfgang Goetzke, 1. Vorsitzender des Gesundheitsregion KölnBonn e.V., wurde der Vortrag der Ministerin in einem Podiumsgespräch mit Dr. Inge Heyer, Leiterin des Gesundheitsamtes der Bundesstadt Bonn, Professor Dr. Thomas Klockgether, Dekan der Medizinischen Fakultät des Universitätsklinikums Bonn, Dr. Volker Leienbach, Verbandsdirektor des PKV-Verbandes e.V., sowie Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, diskutiert. Es ergab sich allgemeine Zustimmung, dass Innovation keineswegs mit HighTech  gleichzusetzen sei, was Professor Klockgether, mit der überraschenden These stützte, dass für die Anwendbarkeit und Umsetzbarkeit am und mit dem Patienten vor allem einfache Maßnahmen Erfolge verheißen.

 

Unbestritten blieb auch die Vermutung, dass viele Leistungen unnötig erbracht werden und dass vor dem Hintergrund einer demographiefesten Finanzierung knappe Ressourcen effektiver und effizienter eingesetzt werden müssen. Verschiedene Fragen wurden in diesem Kontext diskutiert: Soll der Leistungskatalog der GKV allumfassend sein, reicht nicht eine Grundversorgung? Ist die freie Arztwahl förderlich oder entstehen – abgesehen von den Kosten des Systems – durch Mehrverordnungen oder Übermedikationen nicht sogar Gefahren für den Patient?  Einigkeit bestand darin, dass im Bereich der Prävention Einsparpotentiale liegen. Hier sei schon mit kleinem Einsatz viel zu erreichen - sei es in der Gesundheitsförderung ab dem Kindesalter oder in der Sturzprophylaxe in der Pflege.

Als Fazit der Diskussion bleibt festzuhalten, dass es nicht das EINE System gibt: Angebotene Leistungen und die Bedarfe der Bevölkerung sind zu analysieren, um das Gesundheitssystem besser auszubalancieren. Einsparungen auf der einen Seite könnten an anderer Stelle sinnvoller und wirksamer eingesetzt werden und auf diese Weise Innovationen darstellen.

                                 

                                  v.l. Dr. Volker Leienbach, Ministerin Barbara Steffens, Prof. Dr. Thomas Klockgether, Dr. Inge Heyer,
                                  Prof. Dr. Wolfgang Goetzke und Ulrich Weigeldt

Die sachlich engagiert und zugleich charmant vorgetragenen Ausführungen der neuen NRW-Gesundheitsministerin hatten am Ende für einen überraschend konfliktfreien Diskussionsverlauf gesorgt. Auf die abschließende direkte Frage des Moderators, ob man angesichts der Bedeutung von vernetzten Strukturen und Verantwortungsgemeinschaften in den Regionen mal die eine oder andere Million aus den Fördertöpfen in entsprechende Strukturinnovation anstatt in immer neue Forschungsbauten investieren sollte, erwähnte die Ministerium verständlicherweise die derzeitige Haushaltslage, verwies zugleich aber auf die Förderwettbewerbe, die dazu einen Beitrag leisten sollen.

Fotos: Wolfgang Weiss, Weiss GmbH Kommunikation - mit einem großen Dank für die tolle Arbeit!

 
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